SAN BERNARDINO, Kalifornien – Die Steuerzahler des Bundes halfen beim Bau eines 2,2 Milliarden Dollar teuren Solarkraftwerks – jetzt sind die Stromkunden dafür verantwortlich, es am Laufen zu halten.
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Das Solarkraftwerk Ivanpah ist ein konzentriertes Solarthermiekraftwerk in der Mojave-Wüste am Fuße des Clark Mountain in Kalifornien, direkt gegenüber von Primm, Nevada.
Es sollte ursprünglich 2026 stillgelegt werden, diese Entscheidung wurde nun jedoch von der kalifornischen Regulierungsbehörde für öffentliche Versorgungsunternehmen (California Public Utilities Commission) revidiert.
Von einem Bundesdarlehen in Höhe von 1,6 Milliarden Dollar sind noch etwa 730 bis 780 Millionen Dollar offen, und ein Kritiker bezeichnet die Ivanpah-Anlage als „Geldverschwendung“.
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Das scheitern einer guten Idee
Auf dem Schreibtisch kling es super, denn was spräche dagegen in einer Wüste mit Dauersonnenschein Strom zu erzeugen aber in der Realität ist es gescheitert: Das ehemals größte Solarkraftwerk der Welt ist aktuell nur noch ein überteuerter Ballast.
Das Solarkraftwerk Ivanpah, eine weitläufige Anlage nahe der Grenze zwischen Kalifornien und Nevada, die mit Milliarden an Bundesmitteln im Rahmen des Konjunkturprogramms der Obama-Ära errichtet wurde, steckt in einem kostspieligen Dilemma.
Theoretisch eine gute Idee
Das Kraftwerk hat eine Bruttoleistung von 392 Megawatt (MW). Es nutzt 173.500 Heliostaten, von denen jeder mit zwei Spiegeln ausgestattet ist, welche die Sonnenenergie auf Kessel bündeln, die sich auf drei 140 Meter hohen Solartürmen befinden.
Die erste Einheit des Systems wurde im September 2013 für einen ersten Synchronisationstest an das Stromnetz angeschlossen.
Die Anlage wurde am 13. Februar 2014 offiziell in Betrieb genommen. Zu diesem Zeitpunkt war sie das größte solarthermische Kraftwerk der Welt. Die 2,2 Milliarden US-Dollar teure Anlage wurde von BrightSource Energy und Bechtel entwickelt. Größter Investor war NRG Energy mit 300 Millionen US-Dollar. Google steuerte 168 Millionen US-Dollar bei.
Die US-Regierung stellte eine Kreditgarantie in Höhe von 1,6 Milliarden US-Dollar bereit, und das Kraftwerk wurde auf Bundesland errichtet.
Im Jahr 2010 wurde das Projekt von der ursprünglichen Planung mit 440 MW reduziert, um den Lebensraum der Wüstenschildkröte nicht zu beeinträchtigen.
Im Januar 2025 kündigte der Miteigentümer des Kraftwerks, NRG Energy, die Auflösung der Stromabnahmeverträge mit Pacific Gas & Electric Company und Southern California Edison an. Vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung soll das Kraftwerk Anfang 2026 stillgelegt werden, um das Gelände für eine mögliche Nutzung für eine andere Art von Solarenergie vorzubereiten.
Praktisch aber zu teuer
Die Anlage, die zum Zeitpunkt ihrer Planung (2009) kosteneffizient war, ist heute doppelt so teuer im Betrieb wie Photovoltaik- Technologie, deren Preise in den 15 Jahren seit Baubeginn von Ivanpah deutlich schneller gesunken sind als erwartet.
Die Stromversorger, die Strom von Ivanpah bezogen, gaben an, dass die Stilllegung ihren Kunden voraussichtlich Kosteneinsparungen bringen werde. NRG lehnte es ab, anzugeben, wie viel von den 1,6 Milliarden Dollar an staatlich garantierten Krediten im Jahr 2025 noch unbezahlt war. Im Dezember 2025 wurde die Schließungsvereinbarung von der CPUC einstimmig abgelehnt.
Keine Lösung in Sicht
Sowohl die Regierung Trump als auch die Regierung Biden – zusammen mit dem Energieversorger, der den Strom abnimmt – haben versucht, das Kraftwerk stillzulegen. Sie argumentierten, es sei nicht effizient, produziere teuren Strom und sei durch günstigere Energiequellen überholt.
Die kalifornischen Regulierungsbehörden lehnten die Stilllegung jedoch ab und warnten, dass eine Schließung des Kraftwerks das Stromnetz überlasten könnte.
Das Ergebnis ist eine kostspielige Pattsituation, die auf jahrelangen Regierungsentscheidungen beruht: Eine Stilllegung könnte die Steuerzahler mit Hunderten von Millionen Dollar belasten, die mit einem Bundesdarlehen in Höhe von 1,6 Milliarden Dollar verbunden sind, während der Weiterbetrieb höhere Stromkosten für die Verbraucher bedeutet.
„Es macht wirtschaftlich keinen Sinn, dieses Projekt weiterzuführen, und der Markt selbst hat das gezeigt“,
sagte Daniel Turner, Gründer der Energie-Interessengruppe Power The Future, gegenüber Fox News Digital.
„Das ist eine Geldverschwendung, wie die meisten Großprojekte in Kalifornien “,
sagte er und argumentierte, dass das Projekt aus politischen Gründen am Leben erhalten werde und die Kosten letztendlich auf die Kunden abgewälzt würden.
„Irgendwann muss man aufhören, gutes Geld schlechtem hinterherzuwerfen“,
fügte er hinzu.
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An den Marktentwicklungen gescheitert
Doch mehr als ein Jahrzehnt nach der Inbetriebnahme ist die Technologie des Kraftwerks von günstigeren und effizienteren Solaralternativen überholt – was einst ein Symbol für den Fortschritt im Bereich sauberer Energie war, ist nun ein kostspieliges Problem.
Das Projekt steht zudem wegen seiner Umweltauswirkungen in der Kritik : Tausende Vögel starben, nachdem sie durch die konzentrierten Solarstrahlen des Kraftwerks geflogen waren – außerdem wurden große Wüstenflächen zerstört und Wüstenschildkröten vertrieben.
Der kostspielige Kompromiss
Von dem mit dem Projekt verbundenen, staatlich garantierten Darlehen in Höhe von 1,6 Milliarden US-Dollar sind laut Bundesangaben noch etwa 730 bis 780 Millionen US-Dollar ausstehend. Zusätzlich stellte das US-Finanzministerium einen Zuschuss in Höhe von 539 Millionen US-Dollar für den Bau der Anlage bereit, der etwa 30 % der Baukosten deckt.
Gleichzeitig schätzen einige Analysten, dass der Strom aus dem Kraftwerk die Kunden jährlich rund 100 Millionen Dollar mehr kosten könnte als Strom aus neueren Solaralternativen.
Damit stehen die politischen Entscheidungsträger vor einer schwierigen Wahl:
- Entweder sie stellen das Kraftwerk ein und riskieren, dass die Steuerzahler auf Hunderten von Millionen an Verlusten im Zusammenhang mit dem Darlehen sitzen bleiben,
- oder sie lassen es weiterlaufen und geben die höheren Kosten weiterhin an die Stromkunden weiter.
Kritiker argumentieren, dass das Werk ohne staatliche Unterstützung und langfristige Verträge wahrscheinlich Schwierigkeiten haben würde, wirtschaftlich rentabel zu bleiben.
Sogar die US-Bundesregierung und der Energieversorger, der für den Strom bezahlt, haben versucht, sich aus der Sache herauszuhalten.
Beamte sowohl der Trump- als auch der Biden-Regierung sowie Pacific Gas & Electric (PG&E), das Strom von dem Kraftwerk bezieht, haben dessen Stilllegung befürwortet. Laut behördlichen Unterlagen bezeichnete PG&E die Verträge als Teil der Bemühungen, „unwirtschaftliche Ressourcen“ in seinem Energieportfolio zu reduzieren.
Die Regulierungsbehörde für öffentliche Versorgungsunternehmen (California Public Utilities Commission) der traditionell linken kalifornischen Landesregierung wies die Bemühungen zur Kündigung der Verträge des Kraftwerks zurück und verwies auf Bedenken hinsichtlich der Zuverlässigkeit des Stromnetzes angesichts steigender Stromnachfrage, insbesondere aufgrund des erhöhten Bedarfs von Rechenzentren.
In ihrer Entscheidung warnten die Regulierungsbehörden davor, dass die Stilllegung von Ivanpah zu einem Verlust von mehr als 300 Millionen Dollar an gebührenfinanzierten Übertragungsleitungen und Infrastrukturen führen könnte, die mit dem Projekt verbunden sind, und dass zudem potenzielle Risiken für die Zuverlässigkeit des Stromnetzes entstehen könnten – insbesondere angesichts der wachsenden Unsicherheit darüber, wie schnell neue Energieprojekte realisiert werden können.
PG&E argumentiert hingegen, dass die Kündigung der Verträge den Kunden Geld sparen würde im Vergleich zum fortgesetzten Strombezug aus der Anlage.
Der Streit verdeutlicht eine grundsätzliche Herausforderung für den Energiesektor:
Wie lassen sich Zuverlässigkeit, Kosten und bisherige Investitionen in Einklang bringen, wenn die Nachfrage steigt und sich die Technologie weiterentwickelt?
Veraltete Technologie, sich wandelnder Markt
Wenn man in der Nähe des Geländes steht, ist das Ausmaß des Projekts unverkennbar.
Das Kraftwerk nutzt eine Technologie namens konzentrierte Solarenergie. Dabei reflektieren computergesteuerte Spiegel Sonnenlicht auf Kessel auf fast 140 Meter hohen Türmen. So entstehen sichtbare, gebündelte Lichtstrahlen, die die Anlagen hell erleuchten. Die entstehende Wärme wird zur Dampferzeugung genutzt, der Turbinen antreibt und so Strom erzeugt.
Photovoltaik ist billiger geworden
Bei ihrer Eröffnung im Jahr 2014 galt die Technologie als hochmodern. Mittlerweile haben jedoch rasante Fortschritte bei Photovoltaik-Solarmodulen und Batteriespeichern dazu geführt, dass günstigere und flexiblere Alternativen weit verbreitet sind.
Das Projekt wurde im Rahmen der Konjunkturprogramme unter Obama beschleunigt, was Bedenken hinsichtlich der Geschwindigkeit der Umweltverträglichkeitsprüfung auslöste. Es war Teil einer umfassenderen Initiative der Bundesregierung zur Ankurbelung der Wirtschaft nach der Finanzkrise von 2008 und zum Ausbau erneuerbarer Energien.
Es handelte sich um eine bedeutende Erweiterung einer relativ neuen Technologie, die von kleineren Pilotprojekten zu einer Anlage mit einer Leistung von fast 400 Megawatt überging – ein Sprung, der Unsicherheiten hinsichtlich der langfristigen Leistungsfähigkeit mit sich brachte.
Doch die Branche entwickelte sich schneller weiter als erwartet.
Preisgünstigere und effizientere Photovoltaik-Solarpaneele, oft in Kombination mit Batteriespeichern, verdrängten schnell die in Ivanpah eingesetzte konzentrierte Solartechnologie – was dem Kraftwerk einen Wettbewerbsnachteil einbrachte.
Mehr als ein Jahrzehnt nach ihrer Eröffnung steht die Anlage heute als Symbol dafür, wie schnell sich die Energietechnologie entwickeln kann – und welche Folgen es haben kann, Fehler zu machen, wenn ein Projekt zu teuer wird, um es stillzulegen, und zu kostspielig, um den Weiterbetrieb zu rechtfertigen.


